DIY Briefkasten-Sensor: ESP32 + Reed-Schalter meldet Post
Ein leerer Briefkasten nervt schon für sich genommen. Richtig ärgerlich wird es aber, wenn wichtige Post oder ein Paket erst zwei, drei Tage später auffällt, weil man einfach nicht ans Nachschauen gedacht hat. Die Lösung dafür lässt sich an einem Nachmittag selbst bauen: ein ESP32 plus ein simpler Reed-Schalter, fertig ist der Smart-Mailbox-Sensor. Sobald die Klappe aufgeht, bekommst du in Echtzeit Bescheid, per Push-Nachricht oder direkt in Home Assistant. Dieser Guide zeigt dir Schritt für Schritt, wie du das Ganze für unter 15 Euro zusammenbaust und zum Laufen bringst.
So funktioniert der Smart-Mailbox-Sensor
Im Kern steckt ein Reed-Schalter: ein winziger, magnetisch betätigter Kontakt in einem Glaskolben, kaum größer als eine Büroklammer. Kommt ein Magnet in seine Nähe, schließt oder öffnet sich der Kontakt, je nach Bauart. Genau das machst du dir zunutze:
- Ein Neodym-Magnet wandert an die Briefkastenklappe.
- Der Reed-Schalter sitzt fest am Rahmen, direkt gegenüber.
- Ist die Klappe zu, liegt der Magnet am Schalter an. Öffnet sie sich, entfernt sich der Magnet, und der Kontakt wechselt seinen Zustand.
- Der ESP32 registriert diese Änderung an einem GPIO-Pin und schickt daraufhin die Benachrichtigung los.
Am besten eignet sich hierfür ein Schließer (NO, Normally Open): Kontakt offen bei geschlossener Klappe, geschlossen beim Öffnen. Dadurch fließt nur im Ereignisfall überhaupt Strom, und die Logik im Code bleibt schön übersichtlich, kein Grübeln über invertierte Zustände.
Benötigte Bauteile und Kosten
Die Einkaufsliste passt locker auf einen Kassenzettel:
- ESP32-C3 SuperMini (ca. 4 bis 6 €), klein, sparsam, wie gemacht für Batteriebetrieb
- Reed-Schalter, Schließer im 10er-Pack (ca. 3 €), da hast du gleich Ersatz für spätere Projekte
- Neodym-Magnet 6×3 mm oder 8×3 mm (ca. 2 €)
- Widerstand 10 kΩ für den Pull-up (kostet praktisch nichts)
- Lochrasterplatine oder Breadboard zum Testen
- 18650 Li-Ion-Akku mit Halter (ca. 5 €), oder eine ausrangierte Powerbank tut’s auch
- Optional: IP65-Gehäuse, Schrumpfschlauch, etwas Silikon zum Abdichten
Schaltplan: minimaler Aufwand
Die Verdrahtung ist wirklich denkbar simpel. Ein Anschluss des Reed-Schalters geht an GPIO 4, der andere an GND, das war’s schon fast. Im Code aktivierst du den internen Pull-up-Widerstand des ESP32, der externe 10-kΩ-Widerstand ist dann nur noch als Reserve interessant, falls der interne mal zickt. Öffnet sich die Klappe, zieht der Schalter den Pin auf LOW, und genau dieses Signal wertet die Firmware aus.
Firmware mit ESPHome oder Arduino
Am schnellsten kommst du mit ESPHome ans Ziel, das sich praktisch von selbst in Home Assistant einklinkt. Eine minimale Konfiguration sieht so aus:
binary_sensor:
- platform: gpio pin: number: GPIO4 mode: INPUT_PULLUP name: “Briefkasten geöffnet” filters:
- delayed_on: 500ms on_press: then:
- homeassistant.service: service: notify.mobile_app_dein_handy data: message: ”📬 Post im Briefkasten!”
Wer lieber bei Arduino bleibt, kommt auch mit wenigen Zeilen aus: Im setup() setzt du pinMode(4, INPUT_PULLUP), in der loop() fragst du digitalRead(4) ab und feuerst bei LOW eine Nachricht raus, etwa per ntfy.sh, Telegram-Bot oder MQTT. Der delayed_on-Filter (beziehungsweise ein Debounce direkt im Code) verhindert, dass ein leichtes Klappern schon einen Fehlalarm auslöst.
Benachrichtigungen einrichten
Zur Auswahl stehen mehrere kostenlose Wege:
- Home Assistant: eine Automatisierung, die bei
on_presssofort eine Push-Nachricht ans Smartphone schickt. Am einfachsten, wenn HA sowieso schon läuft. - ntfy.sh: ein öffentlicher Push-Dienst ganz ohne Konto. Der ESP32 ruft einfach eine URL auf, und dein Handy meldet sich.
- Telegram: Bot über den BotFather anlegen, Chat-ID herausfinden, Nachricht per HTTP-Request verschicken. Dauert vielleicht zehn Minuten.
Einbau und Montage im Briefkasten
- Magnetposition: Klebe den Magneten mit doppelseitigem Klebeband an die Klappe, den Reed-Schalter genau gegenüber am Rahmen. Der Abstand darf nur wenige Millimeter betragen, teste die Auslösung unbedingt vor dem endgültigen Festschrauben, sonst schraubst du zweimal.
- Wetterschutz: Schalter und Platine müssen trocken bleiben, so einfach ist das. Ein kleines Gehäuse mit Silikondichtung oder großzügig Schrumpfschlauch hält Regen und Kondenswasser fern.
- WLAN-Reichweite: Metallbriefkästen schirmen Funk erstaunlich stark ab. Prüfe den Empfang vorher, bevor alles fest verbaut ist. Notfalls verlegst du die Antenne oder setzt das Modul außen an die Rückseite.
- Akku-Laufzeit: Mit Deep Sleep (etwa 10 Minuten Ruhepause zwischen den Checks) und dem sparsamen ESP32-C3 läuft der Sensor locker mehrere Monate mit einem einzigen 18650-Akku.
Typische Probleme und Lösungen
- Fehlalarme durch Vibration: Ein Debounce-Filter (siehe
delayed_on) oder ein Kondensator parallel zum Reed-Schalter glättet das Signal spürbar. - Sensor löst nicht aus: Magnet und Schalter liegen zu weit auseinander, oder du hast versehentlich einen Öffner statt eines Schließers erwischt. Typ oder Polung tauschen, meist ist es genau das.
- Akku nach wenigen Tagen leer: Dauerhaft aktives WLAN frisst richtig Strom. Deep Sleep aktivieren und nur bei tatsächlicher Öffnung senden, das macht den Unterschied zwischen Tagen und Monaten.
- Kein Empfang im Keller-Briefkasten: Ein ESP32 mit externer Antenne hilft, oder du stellst einen WLAN-Repeater näher an die Briefkastenanlage.
Fazit
Ein Smart-Mailbox-Sensor mit ESP32 und Reed-Schalter zählt zu den dankbarsten Einsteigerprojekten im Smart Home: wenig Bauteile, klare Logik, und der Nutzen zeigt sich sofort im Alltag. Für unter 15 Euro und einen Nachmittag Bastelzeit weißt du künftig sekundengenau, wann Post oder Pakete eintreffen, ganz ohne nervöses Fenster-Nachschauen. Fang am besten mit einem Breadboard-Aufbau an, prüfe die Reichweite in Ruhe und binde den Sensor dann Schritt für Schritt in dein bestehendes Smart-Home-System ein.